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Die Regenwasserexperten

Definition der Entwicklungsziele

Validierung Fließgewässertyp

Die Validierung des Fließgewässertyps ist der  erste und richtungsweisende Schritt bei der Maßnahmenkonzeption. Über den Fließgewässertyp wird definiert, welche Entwicklungsziele zu erreichen sind. Die Bedeutung der Typvalidierung und Zieldefinition wird besonders deutlich, wenn es um die Einordnung eines Gewässers als „natürliches Gewässer“ oder „künstliches Gewässer“ geht. „Künstliche Gewässer“, die nachweislich durch den Menschen geschaffen wurden und deshalb offiziell AWB (artificial water bodies) abgekürzt werden, haben als Entwicklungsziel nicht selten den teilweisen oder kompletten Rückbau. „Natürliche Gewässer“, sogenannte NWBs (natur water bodies), sollen möglichst nah Richtung „gutem ökologischen Zustand“, orientiert an einem Referenzzustand, entwickelt werden. Eine Sonderform nehmen Gewässer ein, die als „stark veränderter Wasserkörper“ eingestuft werden. Diese sogenannten HMWBs (highly modified water bodies) sind natürliche Gewässer, die durch bestimmte Nutzungen so stark in ihrer Struktur und Dynamik eingeschränkt sind, das unter Beibehaltung dieser Nutzung kein „guter ökologischer Zustand“ erreicht werden kann. Das Entwicklungsziel für HMWB ist folglich das „gute ökologische Potential“: der bestmögliche Zustand hinsichtlich der verschiedenen Qualitätskomponenten, der unter Beibehaltung der Nutzung möglich ist.

Für NWBs und HMWBs gibt es eine weitere Differenzierung des Fließgewässertyps, an welche die Spezifizierung des Entwicklungsziels gebunden ist. So wurden die deutschen Fließgewässer nach charakteristischen Merkmalen typisiert (Pottgiesser…). Zu diesen Merkmalen gehören:

  • Laufform, Lage, Strömungsbild
  • Dominante Substrate (Lehm, Sand, Organik,…)
  • Besiedlung(Fische, Algen, Makrozoobenthos)
  • Physiko-chemische Parameter

Daraus ergeben sich 21 Fließgewässertypen zuzügliche weiterer Subtypen:

Der Fließgewässertyp spielt in der Maßnahmenkonzeption eine entscheidende Rolle und gibt bezüglich der einzelnen Gewässercharakteristika die Entwicklungsziele vor, vorrangig durch die fließgewässertypspezifische Makrozoobenthos-Besiedlung in einem Referenzgewässer. Als Referenzgewässer werden solche Fließgewässer ausgewiesen, die einem Fließgewässertypen in der (quasi-) natürlichen  Form am nächsten kommen. So sind beispielsweise weite Teile der Löcknitz bei Berlin (Märkisch-Oderland) ein Referenzgewässer für den Typ 12.

Referenz- und Zielkorridore

Fließgewässer nehmen im natürlichen Zustand einen breiten Korridor ein, durch welchen sie mäandrieren und dabei Uferzonen und Altarme bilden. Die Größe des Gewässerkorridors, den sie dabei einnehmen, ist dabei vom Fließgewässertyp und der Fließgewässergröße abhängig (Abbildung)

Gewässerkorridor, Quelle: Richtlinie für die Entwicklung naturnaher Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen, „Blaue Richtlinie“

Bei der Ausweisung des Zielkorridors innerhalb eines GEKs werden folgende Aspekte untersucht:

  • Fließgewässertyp
  • Größe des Einzugsgebiets
  • Gewässerbreite
  • Breite der Aue
  • Talbodengefälle
  • Historischer Verlauf

Während die meisten Aspekte anhand aktueller Geodaten geprüft werden können, bedarf es bei der Untersuchung des historischen Gewässerverlaufs der Auswertung historischer Daten, z.B. den sog. „Schmettauschen Karten“.  Diese Kartenwerke werden unter anderem auch dazu verwenden, um ein Gewässer als NWB oder AWB zu kategorisieren.

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Wegweiser

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Autor
Dipl.-Ing. Matthias Pallasch
+49 3342 3595-13
m.pallasch[at]sieker.de